Schiffahrtsmuseum des "Schifferverein Germania Hassmersheim 1912 e.V."

Das Museum

Entstehung und Geschichte des Museums:



Das Schiffahrtsmuseum Hassmersheim wird durch den ortsansässigen Schifferverein Germania Hassmersheim 1912 e.V. im alten ehemaligen evangelischen Schulhaus aus dem Jahre 1842 betrieben. Es umfaßt ca.120 Quadratmeter und beherbergt eine Vielzahl unterschiedlichster schiffahrtspezifischer Exponate. Der Ort Hassmersheim hat seit alters her eine führende Stellung im Neckarschiffahrtsgewerbe. Belegt wird dies durch zahlreiche Aufzeichnungen in Archiven, Bibliotheken, Gerichts-, Steuer und Verwaltungsämtern, sowie den Unterlagen des ehemaligen evangelischen Pfarrers Hermann Wirth im Kirchenbuch der ev. Kirchengemeind Hassmersheim aus dem 19. Jahrhundert. Auch Dr. Hans Heimann, der sich mit der Entwicklung der Schiffahrt auf dem Neckar zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert beschäftigte, hat die herausragende Bedeutung Hassmersheims 1907 in seinen Büchern "Geschichte des Neckarschiffgewerbes und der Neckarschiffahrt" sowie "Die Lage der Neckarschiffer seit Einführung der Schleppschiffahrt" beschrieben. Die Bedeutung unseres Heimatdorfes zeigt sich auch in der Anzahl der Partikulierbetriebe (selbständige Schiffseigner von z.B. Schleppbooten, Schleppschiffen oder Motorschiffen), die beispielsweise zu Zeiten des Wirtschaftswunders in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch ca. 100-120 Schiffahrtsbetriebe zählte. Noch mehr Personen waren in nicht selbständiger Arbeit als Schiffsführer, Matrosen und Schiffsjungen bei den großen Reederein wie z.B.der Fa. Braunkohle, Esso, Fendel, Rhenus usw.auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen beschäftigt. Heute gibt es leider nur noch 10 Partikuliere in Hassmersheim, leider mit weiter abnehmender Tendenz. Auch der 1912 gegründete Schifferverein Germania, der sich die Pflege der Schiffahrtstradition zur Aufgabe gemacht hat, hatte zu seiner Blütezeit 250 Mitglieder, wobei nur im Schiffergewerbe tätige Personen als Mitglied aufgenommen wurden. Leider hat der Verein heute nur noch ca. 140 überwiegend ältere Mitglieder. Durch unsere Museumsatbeit versuchen wir, auch bei den jüngeren das Interesse an der Binnenschiffahrt zu wecken und somit die jahrhundertelange Tradition fortzuführen und für die kommenden Generationer zu erhalten

 

Die Gebäude und die Ausstellungsräume:

 

Durch die damalig große Anzahl der in der Binnenschiffahrt tätigen Hassmersheimer Bürger hatten sich im Laufe der Jahrzehnte eine große Menge an Schiffahrtsgegenständen in Kellern und auf Dachböden angesammelt, die dort vor sich hin schlummerten. Mit dem immer schnellerwerden technischen Fortschritt und dem radikalen Rückgang des Schiffergewerbes wurden viele dieser "nutzlosen" Gegenstände nun von den jungen Generationen aussortiert und teilweise auf den Müll geworfen. Den Mitgliedern unseres Vereins war klar, daß hier etwas unternommen werden mußt, um die Geschichte und Tradition Hassmersheims als Schifferort zu erhalten. Ende der 80er Jahre haben wir deshalb bei der Gemeindeverwaltung nach einem geigneten Raum zur Gestaltung eines Museums angefragt. Im Jahre 1997 wurde uns dann von der Gemindeverwaltung im ehemals evangelischen Schulhaus, das zuvor als Asylantenwohnheim genutzt wurde, ein Raum zur Verfügung gestellt. Durch Veröffentlichungen im amtlichen Ortsnachrichtenblatt zur geplanten Eröffnung eines Schiffahrtsmuseums erhielten wir mit der Zeit so viele Exponate, daß wir im Jahr 2001 und 2006 unser Museum um je einen weiteren Raum erweitern mußten und auch konnten. Viele Bürger des Dorfes brachten uns Fotos, Urkunden, Gebrauchsgegenstände, Schiffahrtsutensilien und ähnliches, die für ihre Eltern und Großeltern einmal von Bedeutung waren und daher auch aufbewahrt worden sind. Manche Dinge waren sicher auch einfach in Vergessenheit geraten. Es ist uns wichtig, diesen Dingen in unserem Museum einen würdigen Platz bieten zu können. Die Räume, der Eingangsbereich und das Treppenhaus des Gebäudes wurden von den Mitgliedern des Schiffervereins ehrenamtlich in Eigenleistung und wochenlanger Arbeit vollständig renoviert. Außerdem wurde in einem weiteren freiwerdenden Raum in Eigenleistung ein Vorstandssitzungszimmer eingerichtet. Ausstellungsstücke wurden gesichtet, gereinigt und restauriert. Es wurden Vitrinen und Bilderrahmen bekauft, Modelle gebastelt und zu den Exponaten und dargestellten Epochen entsprechende Beschreibungen erstellt. Nachstehend erhalten Sie eine Erklärung der Räume und der darin ausgestellten Exponate:

Raum 1:

Raum 1

Hier bergrüßt unser 1. Vorsitzender Walter Zimmermann und unser Museumswart und Ehrenmitglied Karlheinz Linß die Besucher unseres Museums und beginnen mit ihrem Vortrag, in dem die einzelnen Ausstellungsstücke und Epochen der Binnenschiffahrt erläutert werden.

Flößerei: Transport auf dem Wasser von Hölzern aus dem Schwarzwald (Epoche bis zur Kanalisierung 1935)

Treidelschiffahrt: Schleppen der Schiffe stromauf mittels Menschen- oder Pferdekraft von einem am Ufer verlaufenden Leinpfad aus. (Epoche Mittelalter bis 1878)

Kettenschiffahrt: Schleppen der Schiffe stromauf durch ein dampfgetriebenes Kettenschiff, das sich an einer im Fluß verlegten Kette zu berg zieht. (Epoche 1878 bis zur Fertigstellung der Neckarkanalisierung)

Dampfschiffahrt zur Personenbeförderung: (Epoche 1840 bis 1865)

Schleppschiffahrt nach der Kanalisierung des Neckars. Umstellung der Antriebskraft der Schleppboote von Dampf auf Dieselantrieb (Epoche ab 1935 bis 1983)

Außerdem stellen wir in diesem Raum die Fahne unseres Vereins aus, und geben mit Hilfe von Fotos einen Überblick über die Tradition und Geschichte des Schifferverein Germania Hassmersheim.

Raum 2:

Raum 2

Hier werden durch Modelle und Fotos die Entwicklung der Schiffahrt von der Schleppschiffahrt mit Dampf- und Räderbooten hin zum modernen Großraummotorschiff sowie zur Schub- und Containerschiffahrt gezeigt. Außerdem stellen wir hier typisches Handwerkszeug und Gebrauchsgegenstände aus der Schiffahrt vor. In diversen Vitrinen haben wir etliche alte Urkunden wie z.B. Schifferpatente und und Eichpapiere, die z.T. noch aus der Zeit des Großherzogtum Badens stammen, ausgestellt.

Raum 3:

Raum 3

Im 3. Raum befinden sich die Höhepunkte und absoluten Unikate unserer Ausstellung. Besonders stolz sind wir auf das 4,50 Meter lange und 1,50 Meter breite.

Diorama

das wir vom Schiffahrtsmuseum der Stadt Heilbronn, welches vor 2 Jahren geschlossen wurde, als Leihgabe erhalten haben. Das Diorama zeigt eine Szenerie aus dem 19. Jahrhundert mit dem Ort Hassmersheim mit Holzschiffbauplatz, Burg Hornberg im Norden, Burg Guttenberg im Süden (Hintergrundgemälde), ein auf dem Neckar zu Berg fahrender Kettenschleppzug, ein zu Tal freifahrendes Holzschiff (Leihgabe der Regierungspräsidentin a.D. Frau G. Hämmerle), sowie die alte Gierfähre (Modellschiffe). Das Diorama mußte in mühevoller Kleinstarbeit durch Vereinsmitglieder für den Transport in mehrere Teile zerlegt, nach Hassmersheim transportiert und im 2.Stock des Museumsgebäudes restauriert und wieder zusammengebaut werden. In weiteren Modellen und Bildern werden Fähren von Hassmersheim (Der Bahnanschluß des Ortes liegt auf der gegenüberliegenden Neckarseite) sowie ein Holzschiffbauplatz gezeigt. Der Holzschiffbau hat in Hassmersheim ebenso eine lange Tradition. Es befanden sich zum Ende des 19. Jahrhunderts sogar 2 Holzschiffbauplätze im Ort. Ein besonderes Stück stellt auch der

Einbaum

dar, der beim Bau der Schleuse Gundelsheim in 5 Metern Tiefe gefunden wurde und eine Länge von 3,59 Meter und eine Breite von 0,40 Metern hat. Der Einbaum wurde 1999 durch Zufall in einem Speicher lokalisiert und fand im gleichen Jahr einen würdigen Platz in unserem Museum. Durch den Museumsbeauftragten des Neckar- Odenwaldkreises, Herrn Dr. Scheuerbrand wurde der Einbaum besichtigt und fotografiert. Nach Rücksprache mit Experten des RP Stuttgart, dem Landesamt für Denkmalpflege, dem Landesdenkmalamt in Karlsruhe, dem Landesmuseum in Karlsruhe und im Vergleich mit den chronologischen Untersuchungen an einem ähnlichen Objekt am Main im Raum Volkach ist die Entstehung des Einbaums in das Mittelalter, 13. bis 16. Jahrhundert zu datieren.

Im Besitz des Museums befinden sich weiterhin viele Fotoalben, die das Leben auf dem Schiff dokumentieren. Wir sehen es als Aufgabe, dies zu archivieren und damit der Nachwelt zu erhalten.

An der Außenanlage des Gebäudes haben wir eine große Schiffsschraube, ein Stockanker sowie eine Ankerwinde eines ehemaligen Neckarschiffs, das vor einigen Jahren im Hochofen verschwand, aufgestellt.

Präsentation, Hilfsmittel und Mitarbeiter:

Wir möchten es unseren Besuchern möglichst einfach machen, sich in die harte Arbeit und die Traditionen der Schiffer einzufinden. Dies versuchen wir mit vielen selbst gefertigten Modellen, sowie Gegenständen aus dem Schifferalltag zu erreichen. Bei allen Ausstellungsstücken befinden sich Hinweistexte, die die Exponate erklären. Natürlich ist uns klar, dass im direkten Dialog mit den Museumsbesuchern am meisten übermittelt werden kann. Deshalb führen wir unsere Besucher, egal ob es 2 oder 30 Personen sind, immer persönlich durch das Museum. Wir stehen Rede und Antwort und haben schon oft bemerkt, wie sich unsere eigene Begeisterung über unser Museum auf die Besucher überträgt. Alle Mitarbeiter des Museums sind ehrenamtlich tätig, sie bieten mit großem Engagement ihre Freizeit an um das Museum zu erhalten und zu erweitern.

Öffnungszeiten:

Starre Öffnungszeiten hat das Museum nicht. Wir richten uns ganz nach den Wünschen und Anfragen unserer Gäste. Terminabsprachen sind jederzeit telefonisch unter den angegebenen Rufnummern möglich. Auch für kurzfristige Anfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Der Besuch des Museums ist kostenlos, jedoch haben wir ein spezielles Spendenglas aufgestellt.

Öffentlichkeitsarbeit:

Das Projekt des Schiffahrtsmuseums wurde 1999 in der Veranstaltungsreihe der Kulturregion Heilbronn "Museums(t)räume" dokumentiert und wird zur Zeit im Museumsführer Baden-Württemberg, Museumsführer Odenwald, HB-Bildatlas "Odenwald" sowie im Internetauftritt der Gemeinde Haßmersheim aufgeführt. Zwischenzeitlich wurde durch SWR4 "Kurpfalzradio eine Reportage und vom 3. Programm des SWR Fernsehen Filmaufnahmen gemacht. Vom Minister für Ernährung und ländlichen Raum des Landes Baden-Württemberg, Herrn Hauk, erhielt der Verein am 15. Juni 2005 als besondere Anerkennung für "herausragende Leistungen beim Aufbau des Schifffahrtsmuseums Hassmersheim" eine Ehrenurkunde überreicht, auf die wir sehr stolz sind.

 

Adresse des Museums: Friedrichstraße 4, 74855 Haßmersheim, gegenüber der evangelischen Kirche

Besichtigung nach Vereinbarung
oder an bestimmten Tagen,
die im Terminkalender und im Ortsnachrichtenblatt
bekanntgegeben werden.

Ansprechpartner:
Walter Zimmermann, Tel. 06266 / 424
Heinz Haferkamp, Tel. 06266 / 929180

Postanschrift:
Schifferverein "Germania" Haßmersheim 1912 e.V.
Bergstraße 12/1, 74855 Haßmersheim

Email:
vorstand@schifferverein-hassmersheim.de

Bitte beachten Sie auch die Internetseiten der Tourismusorganisationen unserer Region, die auf unser Schifffahrtsmuseums hinweisen:

Arbeitsgemeinschaft "Die Burgenstraße" (1)
oder
Arbeitsgemeinschaft "Die Burgenstraße" (2)
oder
Touristikgemeinschaft Odenwald e.V.